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PSt-Bücher in Polen
Einführung
Die Geschichte der Beurkundung des Personenstandes in Form von amtlichen Einwohnerregistern reicht in das christliche Altertum zurück. Jedoch erst gegen Ende des Mittelalters hat man angefangen, Matrikeln zu führen. Die ältesten Matrikeln stammen aus Frankreich und Italien aus dem 14. Jahrhundert und aus Deutschland vom Ende des 15. Jahrhundert. Die ältesten erhalten gebliebenen Matrikeln in Polen stammen aus dem 16. Jahrhundert.
Standesamtliche Beurkundungen gehen auf die Französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Rechtlich verankert wurden sie in der Verfassung der Französischen Republik vom 3. September 1791 und traten ein Jahr später aufgrund einer Verordnung in Kraft. Die Grundlagen dieser Verordnung wurden dann mehr oder weniger in die Gesetzgebungen anderer europäischer Staaten aufgenommen, in denen die zivilrechtliche Registrierung des Personenstandes eingeführt wurde. Auf polnischen Gebieten, genauer gesagt auf dem Gebiet des Warschauer Fürstentums, wurden nach der Einführung des Code Napoleon, aufgrund einer ab dem 1. Mai 1808 geltenden Verordnung1, Geburtsregister, Heiratsregister und Sterberegister parallel zu kirchlichen Büchern angelegt. Mit der Führung dieser Register hat man jedoch wegen mangelnder Standesbeamter Geistliche beauftragt. Diese Rechtslage galt bis zum 13. Juni 1825. Nach der Einführung des Zivilgesetzbuches im Königreich Polen wurden Standesregister mit christlichen Kirchenbüchern zusammengeführt. Für Gläubige anderer Religionen (Juden, Moslems) wurden nach wie vor Standesregister geführt.
In den polnischen Gebieten, die im 19. Jahrhundert unter preußischer Besatzungsmacht standen, wurden Standesregister nur für Juden geführt. Christliche Religionen oblagen der kirchlichen Registrierung. Mit der Einführung des »Allgemeinen Landrechtes für die preußischen Staaten« am 1. Juni 1794 erhielten Matrikeln den Status öffentlich-rechtlicher Urkunden. Weltliche Behörden haben Pfarrer beauftragt, Kirchenregister im Interesse des Staates in zwei Ausführungen zu führen. Die Geistlichen waren verpflichtet, alle Zweitbücher den zuständigen Kreisgerichten zuzuleiten. Die Aufsicht über die zivile Beurkundung führten königliche Behörden und über die Kirchenbücher entsprechende Bischöfe. Diese Rechtslage wurde durch Gesetze aus den Jahren 18742 und 18753 geändert, durch die in ganz Preußen die zivile Beurkundung des Personenstandes eingeführt wurde. Es wurden Standesamtsbezirke gegründet, die nicht immer mit den Verwaltungseinheiten deckungsgleich waren. Ausschlaggebend dabei war die Bevölkerungsdichte, so daß manchmal ein Standesamtsbezirk für mehrere Gemeinden bzw. mehrere Standesamtsbezirke auf dem Gebiet einer großen Stadtgemeinde gegründet wurden.
Nachdem Polen 1918 wieder unabhängig geworden war, gab es bis zum Ende des 2. Weltkrieges 1945 keine wesentlichen Änderungen in der Beurkundung des Personenstandes. Es galten immer noch unterschiedliche Formen der Beurkundung als eine Art rechtliches Erbe der Besatzungsmächte. So gab es die rein zivile (preußische Besatzungszone), die rein kirchliche (österreichische Besatzungszone) und die gemischte (russische Besatzungszone) Beurkundung. Erst am 1.1.1946 wurde die einheitliche zivile Beurkundung des Personenstandes in ganz Polen eingeführt.
Polen und Deutschland grenzen seit ihren Anfängen ununterbrochen aneinander. Der Verlauf der Grenze hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geändert. Die letzte Änderung hat nach dem Ende des 2. Weltkrieges stattgefunden. Aufgrund des Potsdamer Abkommens hat Polen die Freie Stadt Danzig, Emsland und Masuren, Nieder- und Oberschlesien, Lebuser Land sowie Hinterpommern zurückerlangt. Die deutsche Bevölkerung wurde größtenteils aus diesen Gebieten ausgesiedelt. In ehemaligen deutschen Standesämtern und in Kreisgerichten ist trotz der Zerstörungen des Krieges ein beträchtlicher Teil der Personenstandsbücher und Standesregister (Erst- und Zweitbücher) erhalten geblieben. Diese Bücher werden sorgfältig in polnischen Standesämtern und Staatsarchiven aufbewahrt. Maßgebend für den Aufbewahrungsort ist das Alter der Bücher. Laut Verordnung des Innen- und Verwaltungsministers4 werden Bücher bis 100 Jahre in Standesämtern verwahrt. Ältere Jahrgänge werden den örtlich zuständigen Staatsarchiven zugeleitet.
Das Verzeichnis »Deutsche Personenstandsbücher und Personenstandseinträge von Deutschen in Polen« wurde als Hilfsmittel für deutsche und polnische Standesbeamten erstellt. Es umfaßt alle Angaben über die Jahrgänge und Aufbewahrungsorte bezüglich Ortschaften, die
bis zum 1. September 1939 in den sog. Ostprovinzen des Deutschen Reiches (Ostbrandenburg, Nieder- und Oberschlesien, Ostpreußen, Vorpommern),
bis 1918 bzw. 1919 auf den Gebieten der ehemaligen preußischen Besatzungszone (Großpolen [Wartheland], Danzig – Westpommern, Freie Stadt Danzig),
in den Jahren 1940–1945 im Generalgouvernement
gelegen haben.
1
Verordnung des sächsischen Königs und Warschauer Fürsten Friedrich August vom 27.01.1808 über die Führung der Standesregister.
2
Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung vom 1.10.1874
3
Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung vom 6.2.1875
4
Verordnung des Innen- und Verwaltungsministers vom 26.10.1998 über die Regeln der Beurkundung, der Führung von Standesamtsbüchern, deren Kontrolle, Aufbewahrung und Sicherung sowie über die Muster der Personenstandsurkunden, Abschriften, Bescheinigungen und Protokolle (GS: Dziennik Ustaw Nr 136, Pos. 884).
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