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BFH Online
Gibraltar
Von Dr. Eve Cieslar, München
Stand Hauptbericht: 31.10.1994
Aktualisierungsübersicht
Stand 1.7.2017
 
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A I. Vorbemerkungen
Hauptziele zahlreicher Reformen waren die Gleichstellung von Mann und Frau, die Einführung des Rechtsinstituts der eingetragenen Partnerschaft und seit 15.12.2016 auch der gleichgeschlechtlichen Ehe, die Förderung einvernehmlicher Lösungen in Familienkonflikten, der Schutz von Kindern sowie die Anpassung an Verpflichtungen aus internationalen Verträgen und EU-Verordnungen. So wurde die Verfassung von 1969 abgelöst durch eine am 30.11.2006 angenommene, vom Vereinigten Königreich am 14.12.2006 bestätigte und vom Gouverneur am 2.1.2007 in Kraft gesetzte neue Verfassung (Gibraltar Constitution Order 2006, Supplement to the Gibraltar Gazette No 3/575 v 30.12.2006). Bezweckt wurde ua die Neubewertung und Festigung der Beziehungen zum Vereinigten Königreich im Sinne fortbestehender Unterstellung unter dessen Hoheitsgewalt in den Außenbeziehungen auf der Grundlage umfassenderer Autonomie in inneren Angelegenheiten. Der völkerrechtliche Status Gibraltars mit seinen ca 32000 Einwohnern als Britisches Überseegebiet (vgl British Nationality Act 1981 idF British Overseas Territories Act 2002) unter der Souveränität des Vereinigten Königreichs, das die internationalen Beziehungen Gibraltars auch als für dieses verantwortlicher Mitgliedstaat der EU wahrnimmt, blieb damit erhalten. Nach der EU-Austrittserklärung des Vereinigten Königreichs am 29.3.2017 wurde dessen seit 1713 währender Streit mit Spanien um den Status der Enklave Gibraltar allerdings neu entfacht.
Auf der Grundlage von Anhang 1 der Verfassung 2006 wurde sodann durch den Gibraltar Laws (General Amendment) (No 1) Act 2007 (No 2007-17 v 13.6.2007) mWv 14.6.2007 eine generell neue Terminologie eingeführt, wonach alle Ordinances nun als Acts zu bezeichnen und eine Vielzahl behördlicher Zuständigkeiten infolge der Verfassung 2006 geändert sind. Im Übrigen erhielt der Supreme Court mWv 1.11.2009 durch den Constitution (Declaration of Compatibility) Act 2009 (No 2009-54) die Kompetenz zur Feststellung der Verfassungsmäßigkeit gesetzlicher Bestimmungen auf Antrag bestimmter staatlicher Stellen, allerdings ohne unmittelbare Auswirkung auf die Gültigkeit oder Anwendbarkeit der in Frage stehenden Rechtsnorm (Sec 3).
  
A II. Staatsangehörigkeitsrecht (Gebietszugehörigkeit)
MWv 4.11.1999 wurde der Gibraltarian Status Act (No 1962-13 v 1.5.1962, iK 1.6.1962; letztes ÄndG No 2014-12, iK 12.6.2014) unter Neuzählung der Sections grundlegend reformiert.
Ein Recht auf Registrierung als Gibraltarer (Sec 4) hat als »British national« (Commonwealth-Angehöriger) nach Sec 5 (1) jederzeit, wer (a) am oder vor dem 30.6.1925 in Gibraltar geboren wurde; oder (b) das Kind im Sinne von Sec 3 (dh im Verhältnis zur Mutter ehelich oder nichtehelich; zum Vater ehelich oder nichtehelich, wenn der Geburtseintrag den Namen des Vaters ausweist; das durch die nachträgliche Eheschließung seiner Eltern legitimierte Kind) einer nach (a) registrierungsberechtigten Person ist; oder (c) ein Abkömmling einer nach (a) oder (b) registrierungsberechtigten Person ist, wenn ein Eltern- oder Großelternteil in Gibraltar geboren war; oder (d) Ehegatte
 
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oder eingetragene(r) Partner(in) oder Witwe(r) oder überlebende(r) eingetragene(r) Partner(in) einer nach (a), (b) oder (c) registrierungsberechtigten Person ist; oder (e) das Kind (iS von Sec 3) einer Person ist, die aufgrund Verleihung des Status nach Teil II (Sec 8, 9) registriert worden war; oder (f) ein Abkömmling einer aufgrund Verleihung registrierten Person ist, wenn ein Eltern- oder Großelternteil in Gibraltar geboren war; oder (g) Ehegatte oder eingetragene(r) Partner(in) oder Witwe(r) einer aufgrund Verleihung nach Teil II registrierten oder dazu nach (e) oder (f) berechtigten Person oder überlebenden eingetragenen Partners (Partnerin) ist; oder (h) in Gibraltar als Kind (iS von Sec 3) einer registrierten Person geboren ist; oder (i) Ehegatte oder eingetragene(r) Partner(in) oder Witwe(r) oder überlebender eingetragene(r) Partner(in) einer nach (h) registrierungsberechtigten Person ist.
Die Eheschließung oder Begründung einer eingetragenen Partnerschaft mit einer Person ohne Gebietszugehörigkeit hat nach Sec 7 keine Auswirkung auf den eigenen Status als Gibraltarer(in). Unter den Voraussetzungen von Sec 8 kann der Status als Gibraltarer(in) vom Minister für Personenstand Adoptivkindern und von Sec 9 weiteren Personen mit enger Verbindung zu Gibraltar nach Ermessen verliehen und gemäß Sec 10 entzogen werden.
Die Registrierung der Gebietszugehörigkeit erfolgt nach den Sec 11 ff des Gibraltarian Status Act und ist mit der Erteilung einer Identitätskarte verbunden (Anhang 1 Sec 1 (1) (b) des Civilians Registration Act (No 1950-18 v 31.8.1950, iK 1.1.1951; letztes ÄndG No 2007-17, iK 14.6.2007).
  
A III. Ehe- und Kindschaftsrecht
1. Rechtsquellen
Die wesentlichen aktuellen Gesetzesquellen, abrufbar unter www.gibraltarlaws.gov.gi, mit Bedeutung für das Familienrecht sind:
Adoption Act (No 1951-19 v 7.12.1951, iK 14.12.1951; letztes ÄndG No 2014-10, iK 28.3.2014), zit AA;
Births and Deaths Registration Act (No 1887-01 v 15.1.1887, iK 20.1.1887; letztes ÄndG No 2012-11, iK 11.10.2012), zit BDRA;
Children Act 2009 (No 2009-24 v 6.7.2009, iK 14.1.2010; letztes ÄndG No 2014-10, iK 28.3.2014), zit CA;
Civil Jurisdiction and Judgments Act (No 1993-29 v 16.12.1993, iK 5.11.1998; letzte Änd Legal Notice No 2015-170, iK 1.10.2015), zit CJJA;
Civil Partnership Act 2014 (No 2014-10 v 25.3.2014, iK 28.3.2014), zit CPA;
Domestic Violence and Matrimonial Proceedings Act, 1998 (No 1998-13, iK 29.1.1998; letztes ÄndG No 2014-10, iK 28.3.2014), zit DVMPA;
Legitimacy Act (No 1927-05 v 16.11.1927, iK 1.1.1928; letztes ÄndG No 2007-17, iK 14.6.2007), zit LA;
Maintenance Act (No 1961-25 v 21.12.1961, iK 1.1.1962; letztes ÄndG No 2014-10, iK 28.3.2014), zit MaintA;
 
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Marriage Act (No 1948-36 v 17.11.1948, iK 11.3.1949; letztes ÄndG No 2016-22, iK 15.12.2016), zit MA;
Married Women and Civil Partners Act (No 1962-06 v 25.5.1962, iK 31.5.1962; letztes ÄndG No 2014-10, iK 28.3.2014);
Matrimonial Causes Act (No 1962-09 v 25.5.1962, iK 31.5.1962; letztes ÄndG No 2016-22, iK 15.12.2016), zit MCA.
2. Europäische Rechtsakte und internationale Verträge
Da Gibraltar von der Europäischen Union dem Vereinigten Königreich zugerechnet wird, das dessen auswärtige Beziehungen wahrnimmt, sind die von diesem angenommenen europäischen Rechtsakte gemäß Art 355 Abs 3 AEUV und die von diesem mit Geltung für Gibraltar ratifizierten oder später darauf erstreckten internationalen Verträge maßgebliche Rechtsquellen. Damit sind insbesondere auch in Gibraltar zu beachten:
– EG-VO Nr 2201/2003 v 7.11.2003 (EuEheVO II bzw Brüssel IIa-VO) mWv 1.3.2005; Implementierung zB Sec 60A MCA, Sec 32, 38A CJJA, Sec 93A–93P CA;
– EG-VO Nr 44/2001 v 22.12.2000 (EGVVO) bzw nunmehr (ohne Unterhaltstatbestand) die neue EGVVO EU-VO Nr 1215/2012 v 12.12.2012; Implementierung zB Sec 60A MCA, Sec 38 CJJA;
– sowie für die Geltendmachung von Unterhalt: EG-VO Nr 4/2009 v 18.12.2008 (EuUntVO) mWv 18.6.2011 (Anschluss Vereinigtes Königreich ohne IPR über Art 15 EuUntVO zum 1.7.2009); Implementierung durch Sec 76–83 MaintA.
Die Erstreckung für das Vereinigte Königreich verbindlicher internationaler Verträge auf Gibraltar erfolgte nur teilweise und ergibt sich für das jeweilige Übereinkommen aus den Veröffentlichungen in BGBl II bzw der Haager Konferenz (www.hcch.net/) bzw des Europarats (www.conventions.coe.int/). Außer den bereits im Bericht (unten III A 2) genannten wurden insbesondere das Haager Übk v 5.10.1961 zur Befreiung öffentlicher Urkunden von der Legalisation (BGBl 1966 II 106), das Wiener UN-Übk v 24.4.1963 über konsularische Beziehungen (BGBl 1971 II 1285) und das Haager Übk v 19.10.1996 über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern (mWv 1.11.2012, BGBl 2013 II 155) vom Vereinigten Königreich auf die Gebietseinheit Gibraltar erstreckt. Das ebenfalls mWv 1.10.1998 (BGBl 1999 II 1014, 2001 II 1060) in die Erstreckung einbezogene LugÜ v 16.9.1988, implementiert durch Sec 3 ff CJJA, wurde für alle EU-Staaten (damit auch für Gibraltar) und Norwegen mWv 1.1.2010, für die Schweiz mWv 1.1.2011 sowie für Island mWv 1.5.2011 ersetzt durch das neue LugÜ II v 30.10.2007 (ABl EU L 138 v 25.6.2011, S 1). Für das Haager Unterhaltsübereinkommen v 23.11.2007 folgt seine Geltung für Gibraltar aus der Bindung der Mitgliedstaaten durch die EU (ohne Dänemark) als Vertragspartei (mWv 1.8.2014, ABl EU L 192 v 22.7.2011, S 39).
 
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3. Internationales Privat- und Verfahrensrecht
Auf diesem Gebiet gibt es in englischer Rechtstradition weiterhin keine eigenständige Gesamtkodifikation. Für den EU-Raum entwickelten sich aber zumindest im Anwendungsbereich der EuEheVO II (Scheidung, Sorgerecht) und der EGVVO bzw ab dem 18.6.2011 der EuUntVO (Unterhaltssachen) einheitliche normative Voraussetzungen für die internationale Zuständigkeit, Anerkennung und Vollstreckung mit Vorrang vor gibraltarischen Einzelgesetzen (Sec 60A MCA, Sec 76 ff MaintA, Sec 3 ff, 38, 38A CJJA). In Kindschaftssachen ist über den EU-Raum hinaus für die Vertragsstaaten das für das Vereinigte Königreich am 1.11.2012 in Kraft getretene, von Gibraltar mit den ab dem 18.4.2013 geltenden Sec 93A–93P CA implementierte KSÜ v 19.10.1996 maßgeblich. Danach erfolgt gemäß Sec 93G CA bei gegebener internationaler Zuständigkeit die Anwendung des eigenen Rechts. Das internationale Unterhaltsverfahrensrecht außerhalb des EU-Raumes richtet sich mWv 1.1.2011 nach dem LugÜ II oder mWv 1.8.2014 nach dem HÜUnt 2007.
Außerhalb der unmittelbaren Geltung von europäischen Rechtsakten und internationalen Verträgen finden sich, teilweise zu deren Umsetzung, Bestimmungen mit Auslandsbezug im jeweiligen Sachzusammenhang insbesondere in folgenden Neuregelungen: Internationale Zuständigkeit eines gibraltarischen Gerichts besteht in Scheidungs- und Trennungssachen nach Sec 4 MCA im Fall eigener oder fehlender Zuständigkeit eines Mitgliedstaatsgerichts nach der EuEheVO II (Brüssel IIa-VO), wenn ein Ehegatte bei Verfahrenseinleitung im Sinne von Sec 5, 5A, 5B MCA in Gibraltar domiziliert ist; und in Kindschaftssachen nach Sec 3 CA im Fall fehlender Zuständigkeit nach der EuEheVO II, wenn ein Verfahrensbeteiligter oder das Kind in Gibraltar seinen Aufenthalt hat. Ausländische Ehescheidungen und ‑trennungen, die nicht aus dem EU-Raum stammen, werden nach den Sec 53 ff MCA anerkannt, wenn bei Verfahrenseinleitung ein Ehegatte in dem betreffenden Land seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte oder dessen Staatsangehöriger war.
Eine im Ausland begründete eingetragene Partnerschaft wird in Gibraltar als solche anerkannt, wenn diese Verbindung entweder (Sec 93 (1)(a), 94 CPA) ausdrücklich in Schedule 10 CPA aufgeführt ist (so ua die deutsche »Lebenspartnerschaft«) oder die in Sec 95 CPA spezifizierten generellen Voraussetzungen erfüllt. In beiden Fällen müssen nach dem Recht des Registrierungsstaates (einschließlich seines IPR, Sec 93 (2) CPA) zum Zeitpunkt der Registrierung beide Partner die erforderliche Geschäftsfähigkeit zur Partnerschaftsbegründung gehabt haben und alle für deren Gültigkeit erforderlichen Formvorschriften eingehalten worden sein (Sec 96 (1) CPA). Schließlich muss die Partnerschaft durch eine zuständige ausländische Behörde registriert sein, darf kein Partner bereits durch eine Ehe oder Partnerschaft gebunden sein (Sec 93 (1) (b) CPA) und darf die Partnerschaft nicht durch eine anerkennungsfähige ausländische Entscheidung aufgehoben sein (Sec 96 (4) CPA). Begründen in Gibraltar domilizierte Personen eine Partnerschaft im Ausland, setzt deren Anerkennung voraus, dass zum Zeitpunkt der Registrierung beide Partner mindestens 16 Jahre alt waren und in keinem in Gibraltar verbotenen Verwandtschaftsgrad zueinander standen (Sec 97 CPA).
Zur Auflösung, Trennung oder Nichtigerklärung einer eingetragenen Partnerschaft
 
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besteht internationale Zuständigkeit für ein Gericht in Gibraltar, wenn bei Verfahrenseinleitung ein Partner dort domiziliert ist oder die Partnerschaft dort registriert worden war und das Gericht die Inanspruchnahme seiner Zuständigkeit im Interesse der Gerechtigkeit erachtet (Sec 99 CPA). Rule 83 der Civil Partnership Rules 2014 (LN 2014/039) zählt weitere an den gewöhnlichen Aufenthalt geknüpfte Zuständigkeitsbegründungen auf. Die Anerkennung im Ausland erfolgter Auflösung, Trennung oder Nichtigerklärung einer eingetragenen Partnerschaft ist differenziert geregelt in Sec 102–105 CPA. Ergänzend gelten Sonderbestimmungen in Rules 84–89 Civil Partnership Rules 2014 für Entscheidungen aus EU-Mitgliedstaaten, deren Anerkennung erleichtert erfolgt.
Im Übrigen findet sich eine kohärente Regelung von internationaler Zuständigkeit, Anerkennung und Vollstreckung im Civil Jurisdiction and Judgments Act und im Judgments (Reciprocal Enforcement) Act (No 1935-04 v 16.2.1935; letztes ÄndG No 2007-17, iK 14.6.2007). Für die Unterhaltsvollstreckung sind im Fall fehlender vorrangiger internationaler Regelungen der Maintenance Orders (Reciprocal Enforcement) Act (No 1973-23, iK 12.7.1973; letztes ÄndG No 2007-17; iK 14.6.2007) und die (lediglich sechs Staaten benennenden) Maintenance (Designation of Reciprocating Countries) Orders (LN 1975/095, letzte Änd LN 1978/027) v 11.7.1975 maßgeblich.
4. Personenrecht
Im mWv 14.1.2010 maßgeblichen Children Act, der den Minors Act aufhebt, wird die Volljährigkeit mit Vollendung des 18. Lebensjahres beibehalten (Sec 2 (1) CA; so auch Sec 2 CPA und Sec 2 Interpretation and General Clauses Act No 1962-08 v 31.5.1962, letzte Änd LN 2015/3, iK 10.1.2015). Unterhaltsberechtigung kann jedoch noch bis zum 21. Lebensjahr bestehen (Sec 2 MaintA, Sec 49 CA). Ehefähigkeit kann (mit der dann erforderlichen Zustimmung) bereits ab dem 16. Lebensjahr, bei Frauen in Ausnahmefällen sogar ab dem 15. Lebensjahr gegeben sein (Sec 15–17 MA). Für die Begründung einer registrierten Partnerschaft müssen beide Partner mindestens 16 Jahre alt sein (Sec 6 CPA), bedürfen aber bis zum 18. Lebensjahr der Zustimmung nach Sec 7 CPA.
Domizil hat eine Person in Gibraltar, wenn sie dort ihren Aufenthalt hat, der nach seiner Beschaffenheit und den Gesamtumständen eine wesentliche Verbindung zu Gibraltar ausweist (so zB Sec 24 CJJA). Nach Sec 5 MCA teilt mWv 14.1.2010 die Ehefrau nicht mehr kraft Gesetzes infolge Eheschließung das Domizil ihres Mannes; vielmehr muss ihr Domizil eigenständig nach den allgemein geltenden Kriterien für den Erwerb eines unabhängigen Domizils ermittelt werden. Ein solches können Minderjährige schon ab dem 16. Lebensjahr, im Fall der Eheschließung auch darunter begründen (Sec 5A MCA). Leben Vater und Mutter eines Kindes, das noch keinen eigenen Wohnsitz begründen kann, getrennt, teilt es das Domizil seiner Mutter, wenn es bei ihr lebt und nicht auch mit dem Vater zusammenwohnt (Sec 5B MCA).
 
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5. Eherecht, Recht der eingetragenen Partnerschaft
Die Verfassung 2006 verankert in Sec 15 das Recht von Mann und Frau im ehefähigen Alter auf Eingehung der Ehe und Familiengründung im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Diese blieben für den Marriage Act (Voraussetzungen der Ehe) und den Married Women, mWv 28.3.2014 zusätzlich »and Civil Partners« (gemäß Sec 61 iVm Schedule 3 CPA) Act (Handlungsfähigkeit, Vermögensrechte der Frau, Haftung für Verbindlichkeiten der Frau nach Heirat) für die Ehe inhaltlich weitgehend unverändert. MWv 15.12.2016 wurde durch Änderungsgesetz Nr 22/2016 darüber hinaus in den neuen Sec 2, 6A, 6B und 40A MA die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt. Danach ist die Verschiedengeschlechtlichkeit nicht mehr Ehevoraussetzung und können bereits eingetragene Partner auch rückwirkend den Status von Ehegatten erlangen (Sec 40A MA).
Dagegen wurde die Auflösung der Ehe samt Rechtsfolgen im Matrimonial Causes Act umfassend reformiert und den Vorgaben der EuEheVO I bzw II sowie der EGVVO (mWv 10.1.2015 auch deren Neufassung durch EU-VO Nr 1215/2012 v 12.12.2012) angepasst. Bei der Scheidung wurden insbesondere die Fristen für den Nachweis der den nach wie vor einzigen Scheidungsgrund der Zerrüttung stützenden Umstände verkürzt: Das Scheitern der Ehe ist dargelegt, wenn der Beklagte den Kläger für mindestens zwei Jahre verlassen hat (Sec 16 (2) (c) MCA) oder wenn die Ehegatten mindestens zwei (bisher drei) Jahre getrennt leben und der Beklagte in die Scheidung einwilligt (Sec 16 (2) (d) MCA). Leben die Ehegatten getrennt, können sie sich bereits nach drei (bisher fünf) Jahren scheiden lassen (Sec 16 (2) (e) MCA); nach Sec 17A MCA kann das Gericht aber in diesem Fall die Scheidung wegen schwerer Härte für den Beklagten verweigern. Auch für die Scheidungsvoraussetzung in Sec 16 (2) (b) MCA genügt nunmehr nach Sec 16 (3) (c) MCA das Andauern des Mindestzustands der Geistesstörung von drei (bisher fünf) Jahren. Schließlich wird in Sec 18 MCA der generelle Ausschluss einer Scheidungsklage auf den Ablauf von drei statt bisher fünf Ehejahren herabgesetzt. MWv 15.12.2016 wurde der Scheidungsgrund Homosexualität (Sec 16 (2) (a) MCA) auf die verschiedengeschlechtliche Ehe beschränkt. Mit der Aufhebung von Sec 21 MCA bleibt künftig der Irrtum des Beklagten bei der Einwilligung in die Scheidung nach zweijährigem Getrenntleben (Sec 16 (2) (d) MCA) unbeachtlich, und nach der neuen Sec 19A MCA sollen vor allem Scheidungsvereinbarungen unter Mitwirkung des Gerichts gefördert werden.
Für die Nichtigkeit der Ehe wird neu differenziert in Gründe, die sie absolut nichtig (Sec 25 MCA) oder lediglich vernichtbar (Sec 25 (1) MCA) machen. Absolute Nichtigkeit ist nach Sec 25A (1) MCA gegeben in den Fällen (a) einer nicht den Bestimmungen des Marriage Act entsprechenden Ehe, (b) einer bestehenden Ehe eines Partners bei Eingehung der neuen Ehe oder (d) einer außerhalb Gibraltars eingegangenen polygamen Ehe, wenn ein Partner bei Eheschließung sein Domizil in Gibraltar hatte und zu diesem Zeitpunkt ein Ehegatte noch mit einem weiteren Partner verheiratet war; die fehlende Verschiedengeschlechtlichkeit ist seit 15.12.2016 kein Nichtigkeitsgrund mehr. Sec 25A (1) MCA listet die Gründe für die Vernichtbarkeit einer Ehe auf: (a) Die Ehe wurde wegen Unfähigkeit eines Ehegatten nicht vollzogen, (b) die Ehe wurde we-
 
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gen Verweigerung des Beklagten nicht vollzogen, (c) es fehlte am gültigen Ehekonsens eines Partners infolge Zwangs, Irrtums, geistiger Schwächen oder aus sonstigen Gründen, (d) bei der Eheschließung litt ein an sich zur gültigen Konsenserklärung fähiger Partner vorübergehend oder dauerhaft an einer Geistesstörung im Sinne von Sec 3 Mental Health Act (No 1968-24, iK 1.11.1972; letztes ÄndG No 2013-11, iK 4.7.2013) oder in einem solchen Ausmaß, dass er für eine Ehe nicht geeignet erscheint, (e) der Beklagte litt bei der Eheschließung an einer ansteckenden Geschlechtskrankheit, oder (f) die Beklagte war bei der Eheschließung von einem anderen als ihrem Ehemann schwanger. Sec 25A (1) (a) und (b) MCA sind auf die Ehe eines gleichgeschlechtlichen Paares nicht anwendbar. Nach Sec 25B MCA darf das Gericht der Vernichtbarkeitsklage nicht stattgeben, wenn (1) (a) der Kläger sich in Kenntnis der Vernichtbarkeit dem Beklagten gegenüber so verhalten hat, dass dieser auf die Nichterhebung der Klage vertrauen durfte, oder (1) (b) es dem Beklagten gegenüber Unrecht wäre, der Klage stattzugeben. Aus den Vernichtbarkeitsgründen von Sec 25A (c), (d), (e), (f) MCA muss das Verfahren binnen drei Jahren ab Eheschließung eingeleitet werden, sofern das Gericht nicht eine Fristverlängerung gestattet (Sec 25B MCA). Eine vernichtbare Ehe verliert ihre Rechtswirkung erst mit der Erklärung einer Ehenichtigkeitsentscheidung für endgültig (vgl Sec 25C MCA) und gilt bis zu diesem Zeitpunkt als bestehend (Sec 25D MCA).
Bei der gerichtlichen Trennung wird in Sec 30 MCA die Beweisregel des Abs (2) aufgehoben und im neuen Abs (4) die entsprechende Anwendung der Bestimmungen des Scheidungsrechts zum Versöhnungsversuch (Sec 15 MCA) und zur Förderung von Vereinbarungen (Sec 19A MCA) angeordnet.
In einem eingefügten Teil VIA schaffen die Sec 31A–31M MCA einen differenziert ausgestalteten Rahmen für umfassende finanzielle Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Ehe bzw deren Scheitern betreffend die Vermögenszuteilung und die Unterhaltspflicht. Der Abschluss kann erfolgen vor der Eheschließung (Sec 31B MCA), während der Ehe (vor oder nach deren Scheitern, Sec 31C MCA) sowie nach der (vorläufigen oder endgültigen) Scheidung (Sec 31D MCA). Nach Maßgabe von Sec 31H, 31L MCA haben jedoch dabei die Gerichte Überprüfungs- und Gestaltungsrechte, insbesondere bei Vereinbarungen über den Kindesunterhalt (Sec 31G MCA).
Auch die gesetzlichen Bestimmungen der Sec 32–43E MCA über die finanzielle Unterstützung für Ehegatten und Kinder der Familie wurden weitreichend reformiert. Hier geht es insbesondere um Unterhaltsanordnungen, Vermögenszuweisungen und Anordnungen zum Verkauf von Vermögen im Zusammenhang mit Scheidungsverfahren.
Seit dem 14.1.2010 sind nach den neuen Sec 46A–46J MCA Rentenansprüche zu teilen, wenn eine Ehe geschieden (Sec 46B MCA) oder für nichtig erklärt (Sec 46C, 46D MCA) wird, gegebenenfalls auch noch danach. Das Rentensplitting erfolgt auf Antrag eines Ehegatten durch Anordnung des Gerichts und umfasst alle teilbaren Anwartschaften mit Ausnahme von Staatsrenten gemäß den vom Finanzminister erlassenen Ausführungsbestimmungen (Sec 46A MCA). Geteilt wird nicht nach Quoten, sondern unter Berücksichtigung der in Sec 46F MCA detailliert aufgeführten Umstände.
In den geänderten Sec 47–52 MCA wurden die Regelungen über die Ausübung der
 
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elterlichen Rechte und Verantwortung, das Umgangsrecht sowie den Unterhalt der Kinder nach einer Scheidung, gerichtlichen Trennung oder Nichtigerklärung der Ehe dem Children Act 2009 angepasst.
Mit dem Civil Partnership Act 2014-10 wurde zum 28.3.2014 die eingetragene Partnerschaft als eigenständiges Rechtsinstitut eingeführt, das sowohl gleichgeschlechtlichen als auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offensteht.
Sachliche Voraussetzung für die Begründung sind nach Sec 6 CPA: Kein Partner darf durch eine bestehende anderweitige eingetragene Partnerschaft oder Ehe gebunden sein, beide Partner müssen mindestens 16 Jahre alt sein und bedürfen dann bis zum 18. Lebensjahr der Zustimmung von Sorgeberechtigten nach Maßgabe von Sec 7 CPA iVm Schedule 2 (vgl auch Sec 33 CPA), und die Partner dürfen in keinem verbotenen Verwandtschaftsgrad iS von Schedule 1 CPA zueinander stehen. Verfahrensmäßig müssen die Partner eine Anzeige von der beabsichtigten Partnerschaftsbegründung an den Registrar machen (Sec 9 ff CPA). Die eingetragene Partnerschaft wird rechtswirksam mit der Unterzeichnung der Partnerschaftslizenz in gleichzeitiger Anwesenheit durch die beiden Partner, zwei Zeugen und den Registrar, der daraufhin unverzüglich die Eintragung im Register sicherzustellen hat (Sec 5 CPA).
Die eingetragene Partnerschaft endet durch Tod, Auflösung oder Nichtigerklärung (Sec 4 (3) CPA) und ist, wie die Begründung, eigenständig im Civil Partnership Act geregelt. Seit dem 15.12.2016 kann die eingetragene Partnerschaft auf Wunsch der Beteiligten auch nach Maßgabe von Sec 40A MA durch Umwandlung in eine (gleichgeschlechtliche) Ehe beendet werden und gilt dann rückwirkend auf den Zeitpunkt der Partnerschaftsbegründung als Ehe (Sec 40A (5) MA). Voraussetzungen einer gerichtlichen Auflösung sind grundsätzlich das dreijährige Bestehen der eingetragenen Partnerschaft (Sec 22 CPA mit Ausnahmetatbeständen) und deren eingetretene Zerrüttung (Sec 25 (1), (2) CPA). Dafür maßgebliche Gründe sind nach Sec 25 (5) CPA: (a) das für ein weiteres Zusammenleben unzumutbare Verhalten des Beklagten, (b) zweijähriges Getrenntleben und Einverständnis des beklagten Partners mit der Auflösung, (c) dreijähriges Getrenntleben und (d) zweijähriges Verlassen des Klägers durch den Beklagten, diese Fristen alle unmittelbar vor Klageerhebung. Die Zerrüttung darf einerseits nicht ohne das Vorliegen eines oder mehrerer Gründe
 
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angenommen werden (Sec 25 (3) CPA); andererseits stützt deren Vorliegen allein aber nicht die Zerrüttung, die vielmehr anhand der gesamten Beweislage zur Überzeugung des Gerichts (Sec 26 CPA) zu ermitteln ist (Sec 25 (4) CPA). Liegen die in Sec 25 (5) (a), (b), (c) oder (d) genannten Tatsachen vor, kann auch eine gerichtliche Trennung der Partnerschaft begründet sein, für die es auf eine Zerrüttung nicht ankommt (Sec 35, 36 CPA). Sowohl im Fall der Trennung als auch der Auflösung sollen ein Versöhnungsversuch unternommen (Sec 23 CPA) und Vereinbarungen unter Mitwirkung des Gerichts gefördert werden (Sec 24 CPA).
Gründe der absoluten Nichtigkeit sind nach Sec 30 CPA insbesondere das Fehlen der sachlichen Voraussetzungen (Sec 6 CPA) für die Begründung einer eingetragenen Partnerschaft (Sec 30 (a) CPA) und der beiden Partnern bewusste Verstoß gegen im Einzelnen aufgeführte wesentliche formelle Voraussetzungen (Sec 30 (b) CPA).
Die Gründe der Vernichtbarkeit betreffen primär Willensmängel (Sec 31 CPA) und rechtfertigen nach den Sec 32, 33 CPA nur unter bestimmten Voraussetzungen eine gerichtliche Nichtigerklärung.
In allen Verfahren auf Trennung, Auflösung oder Nichtigerklärung sind in der Entscheidung darüber auch die Belange davon betroffener Kinder der Familie nach Maßgabe von Sec 42 CPA zu berücksichtigen.
Die rechtliche Handlungsfähigkeit und Rechtsstellung von an Trusts, sonstigen Sondervermögen oder Investitionen beteiligten Partnern nach Begründung der Partnerschaft und damit zusammenhängende Fragen der Haftung sind eingehend geregelt im inhaltlich auf die eingetragene Partnerschaft erstreckten Married Women and Civil Partners Act, ergänzt um Sec 83 CPA hinsichtlich Vermögensstreitigkeiten zwischen Partnern. Das Partnerschaftsvermögensrecht im Übrigen unterliegt dem Civil Partnership Act 2014: Die finanzielle Ausgestaltung ihrer Beziehung können eingetragene Partner im Rahmen der Sec 44–55 CPA im Wege von Vereinbarungen regeln. Diese Option besteht bereits vor der Begründung (Sec 45 CPA), während des Bestehens (Sec 46 CPA) sowie nach der Auflösung (Sec 47 CPA) der Partnerschaft und umfasst auch eine nichtige eingetragene Partnerschaft (Sec 44 (1) CPA). Gegenstand können sein die Behandlung von Vermögenswerten, auch für den Fall des Scheiterns der Partnerschaft, und der Unterhalt eines jeden Partners während oder/und nach Auflösung der Partnerschaft. Nach Maßgabe insbesondere von Sec 50, 53 (3), 54 CPA können jedoch auf Antrag Betroffener die Gerichte gestaltend in solche Vereinbarungen oder deren Aufhebung eingreifen wie insbesondere im Fall von Gläubigerbenachteiligung, Sittenwidrigkeit, grundlegender Veränderung der Umstände. Bei Unterhaltsvereinbarungen eingetragener Partner gehen die Bestimmungen der Sec 44 ff CPA den Sec 62–66 MaintA betreffend Unterhaltsvereinbarungen vor (Sec 44 (2) CPA).
In vermögensrechtlichen Streitigkeiten eingetragener Partner sowie nach Auflösung, Trennung oder Nichtigerklärung der Partnerschaft können die Gerichte gemäß den eingehenden Regelungen in Sec 56–84 CPA über Vermögenszuweisung, finanziellen Ausgleich und Unterhaltsansprüche entscheiden (Sec 65 CPA). Bei Unterhaltsanordnungen (Sec 67, 68 CPA) und Vermögensausgleichsanordnungen (Sec 69, 70 CPA) zugunsten eines Partners oder eines Kindes der Familie (grundsätzlich bis zum 18. Lebensjahr, Ausnahmen nach Sec 76 CPA) sind die in Sec 71 CPA detailliert geregelten
 
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Kriterien zu beachten, ua vorrangig das Kindeswohl. Entsprechende finanzielle Ansprüche sind nach Maßgabe von Sec 63 CPA in Verbindung mit Schedule 5 CPA auch nach Auflösung, Trennung oder Nichtigkeit der eingetragenen Partnerschaft im Ausland gegeben, sofern die ausländische Entscheidung in Gibraltar anerkennungsfähig ist.
Auf Antrag sind nach den Sec 112–121 CPA in Auflösungs- und Nichtigkeitsentscheidungen auch Rentenansprüche zu teilen (Sec 113–115 CPA) oder entsprechende Entscheidungen auch noch nachträglich zu erlassen. Diesem Rentensplitting unterliegen die nach der jeweiligen Rentenregelung des Partners teilbaren Anwartschaften, jedoch keine Ansprüche aus einem vom Finanzminister durch Ausführungsbestimmungen ausgenommenen staatlichen Altersversorgungswerk (Sec 112 CPA). Bei der Bemessung des auf den Partner zu übertragenden Prozentsatzes sind die in Sec 117 iVm Sec 71 (2) CPA aufgelisteten Kriterien abzuwägen wie ua Einkommens-/Vermögenssituation einschließlich eigener Rentenansprüche des begünstigten Partners, laufende Verpflichtungen, Alter der Partner und Dauer der Partnerschaft.
Elterliche Sorge und weitere Kinderbelange in eingetragenen Partnerschaften und nach deren Auflösung richten sich nach dem Children Act (Sec 88 iVm Schedule 7 CPA).
Für ohne Trauschein oder Registrierung ihrer Partnerschaft Zusammenlebende (cohabitees, Sec 2 MaintA) bestehen punktuelle Regelungen wie insbesondere eine Unterhaltsberechtigung nach Maßgabe von Sec 31, 33A MaintA.
Alle Formen des dauerhaften Zusammenlebens unterstehen einem Rechtsschutz gegen Störung ihrer Beziehung. So können bei Gewalttätigkeiten im Familienbereich nach den Sec 69 ff MaintA Schutzanordnungen zugunsten von Zusammenlebenden, Ehegatten, eingetragenen Partnern und Kindern der Familie ergehen. Im Übrigen enthält der mWv 28.3.2014 weitgehend auf die eingetragene Partnerschaft erstreckte Domestic Violence und Matrimonial Proceedings Act ein Instrumentarium von Verfügungen im Fall von, auch nicht gewalttätigen, Verfehlungen in der Ehe, der eingetragenen Partnerschaft und im nichtförmlichen Zusammenleben, dies auch zum Schutz von Kindern der Familie (Sec 2, 3 ff DVMPA). Neben Unterlassungsgeboten kommen in diesem Zusammenhang insbesondere der Ausschluss aus der Familienwohnung oder die Anordnung der Wiederzulassung in diese zur Anwendung.
6. Kindschaftsrecht
Für die Abstammung maßgebliche Gesetzesquellen sind weiterhin der 2007 nur geringfügig (Sec 5 (5), Sec 19 AA) geänderte und mWv 28.3.2014 auf eingetragene Partner erstreckte (Sec 88 iVm Schedule 7 CPA, Sec 5 (2) AA) Adoption Act, der Legitimacy Act und der Births and Deaths Registration Act. Bei einem Kind nicht miteinander verheirateter Eltern wird die Vermutung der Vaterschaft durch Eintragung, auch nach der ursprünglichen Geburtsbeurkundung, in das Geburtenregister begründet (vgl Sec 5 BDRA), die einen gemeinsamen Antrag von Mutter und des seine Vaterschaft anerkennenden Mannes oder den Antrag der Mutter unter Vorlage einer förmlichen Erklärung mit der Bestätigung der Vaterschaft durch beide Elternteile zur Voraussetzung hat
 
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(Sec 15 BDRA). Gegenstand des Legitimacy Act ist sowohl der Erwerb des Status als ehelich durch ein ursprünglich nichtehelich geborenes Kind infolge späterer Eheschließung seiner Eltern (Sec 3 LA) als auch die Legitimation von Kindern aus bestimmten nichtigen Ehen im Fall der Gutgläubigkeit eines Ehegatten in Bezug auf die Gültigkeit (Sec 4 LA) sowie alle mit der Legitimation verbundenen Rechte, Vermögensnachfolger zu werden (Sec 6 ff LA). Ein legitimiertes Kind hat die gleichen Unterhaltsansprüche und ‑pflichten wie ein eheliches Kind (Sec 9 LA).
Elterliche Rechte und Verantwortung sowie Kindesschutz sowohl für leibliche als auch für Pflegekinder von Ehegatten und eingetragenen Partnern sowie deren Stiefkinder sind mWv 14.1.2010 unter Berücksichtigung der Vorgaben aus der EuEheVO II und dem KSÜ weitreichend neu geregelt im Children Act 2009, der den Minors Act (vor 2007 Ordinance) sowie den Fostering Act 2002 ablöst. Die elterliche Verantwortung umfasst alle Rechte, Pflichten, Befugnisse, Verantwortlichkeiten und die Vertretungsmacht, die einem Elternteil kraft Gesetzes gegenüber dem Kind (bis zu 18 Jahren, Sec 2 CA) zustehen. Ihre Ausübung berechtigt insbesondere zum Zusammenleben mit dem Kind bzw zur Bestimmung seines Wohnsitzes, seiner Erziehung und Ausbildung sowie zu seiner gesetzlichen Vertretung (Sec 10 (1) CA). Mehrere Inhaber der elterlichen Verantwortung können, vorbehaltlich gesetzlicher Zustimmungserfordernisse, eigenständig handeln (Sec 11 (6) CA). Unterhaltspflichten und Vermögensnachfolge bestehen jedoch unabhängig vom Innehaben der elterlichen Verantwortung (Sec 12 (2) CA).
Bei ehelich geborenen Kindern steht die elterliche Verantwortung grundsätzlich beiden Elternteilen gemeinsam zu, bei nichtehelichen Kindern zunächst nur der Mutter (Sec 11 (1), (2) CA). Der biologische Vater des Kindes kann jedoch nach Sec 13 CA die elterliche Verantwortung erwerben entweder durch Registrierung als Vater gemäß Sec 15 (1) BDRA oder durch eine Vereinbarung mit der Mutter des Kindes oder durch gerichtliche Übertragung auf seinen Antrag bzw den der Mutter oder durch Eintritt der Ehelichkeit des Kindes infolge Eheschließung seiner Eltern gemäß Sec 3 LA. Unter den Voraussetzungen von Sec 14 CA kann auch der mit einem die elterliche Verantwortung innehabenden Elternteil verheiratete Ehegatte oder eingetragene Partner, der selbst nicht Elternteil ist (Stiefelternteil, vgl Sec 106 CPA) die elterliche Verantwortung für das in die Ehe eingebrachte Kind erlangen.
Die Trennung oder Scheidung einer Ehe bzw Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft als solche hat keine Auswirkungen auf die elterliche Verantwortung. Nach Maßgabe der Sec 47 ff MCA, Sec 25 ff, 32 ff CA kann das Gericht jedoch in Familienverfahren differenzierte kindbezogene Anordnungen erlassen und Entscheidungen in bestimmten Streitfällen treffen, zB bei wem das Kind leben soll und wie dann das Umgangsrecht mit dem anderen Elternteil zu gestalten ist, oder dass bestimmte elterliche Maßnahmen der gerichtlichen Zustimmung bedürfen. Unterhaltsanordnungen richten sich in diesem Fall nach den Sec 32 ff MCA, Sec 48 ff, 63 CA, gegebenenfalls auch über das 18. Lebensjahr hinaus (Sec 49 CA).
Hat ein Kind keinen Elternteil, dem die elterliche Verantwortung zukommt, sowie in weiteren Sonderfällen ist eine Vormundschaft anzuordnen (Sec 15 ff CA). Liegen die Voraussetzungen für eine Vormundschaft nicht vor, kann im Fall einer Gefährdung
 
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des Kindeswohls nach Maßgabe der Sec 18 ff CA dem Kind ein Spezialvormund bestellt werden, der dann auch die elterliche Verantwortung innehat (Sec 20 CA).
Im Übrigen kann Kindesschutz nach den Sec 64 ff CA, wie zB die Anordnung von Pflegekindschaft oder Beaufsichtigung durch das Fürsorgeorgan, angezeigt sein, wobei gemäß Sec 68 CA möglichst der persönliche Kontakt des Kindes zu seinen Eltern oder sonstigen Bezugspersonen aufrechtzuerhalten ist und das Kind nicht über 17 Jahre alt, im Fall seiner Verheiratung nicht über 16 Jahre alt sein darf (Sec 64 (3) CA).
7. Unterhaltsrecht
Hierzu sind sowohl der Maintenance Act als auch der Matrimonial Causes Act, der Civil Partnership Act und der Children Act heranzuziehen. Nach Sec 30, 31 MaintA besteht die Verpflichtung zum Unterhalt zwischen Ehegatten (Mann und Frau) und eingetragenen Partnern (gleichen oder verschiedenen Geschlechts) gegenüber deren (ehelichen, legitimierten gemäß Sec 9 LA, nichtehelichen, adoptierten) Kindern und Stiefkindern grundsätzlich bis zum 18. Lebensjahr und ausnahmsweise bis zum 21. Lebensjahr im Fall fehlender Selbsterhaltungsfähigkeit oder längerer Ausbildung, gegenüber Eltern im Fall fehlender Selbsterhaltungsfähigkeit wegen hohen Alters oder körperlicher oder geistiger Gebrechen sowie (eingeschränkt) ohne Trauschein oder Registrierung ihrer Partnerschaft Zusammenlebenden (cohabitees). Kindesunterhalt umfasst auch die Ausbildung (Sec 2 CA).
Für die gerichtliche Erwirkung einer Unterhaltsanordnung können unterschiedliche Verfahrensarten mit jeweiligen Besonderheiten in Betracht kommen: allgemein, insbesondere betreffend Unterhalt von Eltern und Zusammenlebenden, aber gegebenenfalls nachrangig, vor dem Familiengericht gemäß Sec 33A–42 MaintA; in einer bestehenden Ehe zwischen Ehegatten bzw eingetragenen Partnerschaft zwischen den Partnern und für die Kinder nach Sec 2B MaintA besteht Vorrang des Verfahrens gemäß Sec 3 ff MaintA; von der nichtehelichen Mutter gegen den mutmaßlichen Vater für ihr Kind und die Entbindungskosten im Vaterschaftsverfahren sind Sec 17 ff MaintA maßgeblich, wobei nach Sec 26 MaintA ergänzend die Bestimmungen der Sec 48 ff CA heranzuziehen sind. In Scheidungs‑, Trennungs- und Ehenichtigkeitsverfahren richtet sich die gerichtlich angeordnete finanzielle Unterstützung für Ehegatten und Kinder der Familie nach Sec 32 ff MCA, für letztere iVm Sec 48 ff CA nach Maßgabe von Sec 55 CA; im Fall der Auflösung, Nichtigerklärung oder gesetzlichen Trennung einer eingetragenen Partnerschaft sind Sec 65 ff CPA heranzuziehen.
Ehegatten und eingetragene Partner können Unterhalt auch im Wege der Vereinbarung nach Sec 62 ff MaintA regeln. Handelt es sich dabei jedoch um eine ehe- bzw partnerschaftsvertragsähnliche Vereinbarung über Vermögenszuteilung und Unterhalt im Sinne der Sec 31A–31M MCA bzw der Sec 44 ff CPA, gehen diese Bestimmungen vor (Sec 2A, Sec 62 MaintA, Sec 31A (2) MCA, Sec 44 (2) CPA). Erstrecken sich die finanziellen Vereinbarungen auf den Unterhalt von Kindern, sind sie nach Sec 31G MCA nur gültig, wenn sie im Fall der Scheidung oder gerichtlichen Trennung (vgl Sec 30 (4) MCA) der Ehe dem Gericht gemäß Sec 19A MCA vorgelegt und von diesem nach Prüfung genehmigt wurden.
 
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8. Namens- und Personenstandsrecht
Grundlage für die Registrierung von Geburten und Todesfällen ist der Births and Deaths Registration Act idF No 2012-11 in Verbindung mit den Births and Deaths Registration Rules (Subsidiary 1934.09.11; letzte Änd 2011/009 v 3.2.2011). Bei der Anmeldung einer Geburt (grundsätzlich binnen 21 Tagen) in Gibraltar (Sec 10 ff BDRA) oder später nach Maßgabe von Sec 16 BDRA (insbesondere im Fall der Namensgebung erst bei der Taufe) wird auch der Geburtsname des Kindes bestimmt (gemäß Formular A in Anhang 1 der Rules bzw Formular C bei späterer Taufe bzw Formular C1 bei späterer Namensgebung aus sonstigen Gründen) nach Angabe von Vater oder Mutter im Fall ehelicher Geburt, ansonsten der Mutter vorbehaltlich Sec 15 BDRA. Danach kann bei unverheirateten Eltern der biologische Vater nach Sec 15 BDRA eingetragen werden, wenn dies die Mutter und der anerkennende Vater gemeinsam beantragen oder die Mutter allein unter Vorlage entsprechender förmlicher Erklärungen beider Elternteile (Formulare O, P der Rules). Erkennt der Vater das Kind erst später an, erfolgt eine Neuregistrierung des Kindes. Eine solche ist auch vorzunehmen bei der Legitimation eines Kindes nach dem Anhang zum Legitimacy Act, der als Teil des Births and Deaths Registration Act gilt. Für Adoptionen gibt es ein eigenes Register, in das ausschließlich gerichtliche Adoptionsbeschlüsse eingetragen werden (Sec 20 AA). In einem solchen kann nach Sec 21 (2) (b) AA dem Kind auch ein neuer Vor- und Nachname erteilt werden.
Namensänderungen von Kindern sind grundsätzlich unter den Voraussetzungen von Sec 16 BDRA zulässig und im Übrigen punktuell gesetzlich geregelt: So kann zB das Gericht bei der Anordnung einer Spezialvormundschaft erlauben, dass das Kind einen neuen Nachnamen erhält (Sec 19 (2) (a) CA), oder im Rahmen kindbezogener Anordnungen in Familienverfahren dem Kind den Wohnsitz bei einer bestimmten Person zuweisen (residence order) und damit nach Sec 30 (1) (a) CA verhindern, dass dem Kind ohne schriftliches Einverständnis der Person, die die elterliche Verantwortung innehat, oder gerichtliche Genehmigung ein neuer Nachname beigelegt wird. Erwachsene können ihren Namen jederzeit ändern.
Die Registrierung von zivilen und religiösen Eheschließungen erfolgt unverändert nach Sec 23 MA. Die Frau kann nach der Heirat weiterhin ihren Mädchennamen führen oder den Namen ihres Mannes annehmen.
Die Begründung einer eingetragenen Partnerschaft ist in das beim Supreme Court geführte Partnerschaftsregister auf Veranlassung des die Verpartnerung durchführenden Registrars baldmöglichst im Anschluss davon aufzunehmen (Sec 5 (4) CPA). Eine im Ausland gültig zustandegekommene eingetragene Partnerschaft kann in Gibraltar in Familienverfahren, in denen die Partnerschaft als solche nicht bestritten wird, durch die Aussage eines Partners unter Vorlage eines Partnerschaftszeugnisses oder einer beglaubigten Abschrift aus dem Partnerschaftsregister nachgewiesen werden (Rule 36 Civil Partnership Rules 2014, LN 2014/039).
Ältere Rechtsstände
01.08.2014

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