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Vorwort der Herausgeber
Im Oktober 1925 schrieb Alexander Bergmann im Vorwort zur 1. Auflage seines Werkes »Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht«: »Der internationale Verkehr nimmt ständig zu, und mit ihm mehren sich die internationalrechtlichen Beziehungen, welche die Angehörigen der verschiedenen Staaten, zumal auf dem Gebiete des Personenrechts, miteinander verknüpfen.« Dieser Satz gilt noch immer. Allerdings hat der internationale Verkehr inzwischen Ausmaße angenommen, die sich der Begründer dieses Werkes vor mehr als achtzig Jahren mit Sicherheit noch nicht vorstellen konnte. Es haben Völkerwanderungen stattgefunden und finden noch immer statt, die die geschlossenen Gesellschaften aufgebrochen haben. In Deutschland hat nahezu jeder zehnte »Inländer« eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Zahl der hier lebenden Paare, bei denen wenigstens ein Partner Ausländer ist, liegt bei nahezu drei Millionen, nichteheliche Beziehungen nicht eingerechnet. Mit den daraus resultierenden Rechtsproblemen haben nicht nur die Standesbeamten fast täglich zu tun, auch Rechtsanwälte, Richter, Notare müssen sich über das anwendbare ausländische Recht informieren. Dieses Informationsinteresse zu befriedigen, haben sich der Verlag für Standesamtswesen, der Herausgeber und die Autoren der Länderberichte zum Ziel gesetzt. Die Aufgabe ist gewaltig. Das Familienrecht ändert sich überall auf der Welt in immer kürzeren Zeitabständen. Zwischen der ersten und der zweiten Auflage dieses Werkes vergingen zwölf Jahre. Heute vermögen selbst fünf Ergänzungslieferungen pro Jahr mit 1600 bis 2000 Seiten (und die entsprechende Online-Veröffentlichung) nur einen Bruchteil der Veränderungen zu erfassen. Manche Texte sind schon bald nach ihrem Erscheinen Rechtsgeschichte. Mit diesem Manko muss ein Werk wie dieses leben. Wir können uns nur bemühen – und tun dies auch –, auf wichtige Änderungen in den einzelnen Ländern, von denen wir Kenntnis erlangen, durch Hinweise auf den Titelblättern der Länderberichte aufmerksam zu machen, noch ehe die Reformgesetze in einer Ergänzungslieferung verarbeitet werden können.
Ziel des Werkes ist die Darstellung des Familienrechts aller Länder dieser Erde. Dazu gehören nicht nur die großen Staaten, sondern auch die kleinen. Im europäischen Raum findet zwischen Frankreich und Spanien auch Andorra einen Platz. Mit der zunehmenden Einwanderung aus Afrika werden auch die dort geltenden Rechtsordnungen für uns relevant. Die hier noch bestehenden Lücken werden Schritt für Schritt geschlossen werden. Ein besonderes Problem bilden die fünfzig Einzelstaaten der USA. Deren Rechtsordnungen können naturgemäß nicht flächendeckend mit gleicher Ausführlichkeit dargestellt werden. Dem stehen schon die jedes Maß sprengenden und oft auch sehr unübersichtlichen Gesetzgebungswerke entgegen. Je nach Bedeutung des jeweiligen Einzelstaates werden darum neben ausführlichen Darstellungen künftig auch kleinere Übersichten stehen. Der Benutzer wird aber auch dort die für ihn wichtigen Gesetzesvorschriften im Wortlaut wiederfinden; denn nach wie vor ist der Gesetzestext die wichtigste Rechtsquelle. Aber nicht nur, was die Zahl der Länderberichte angeht, unterscheidet sich das Werk in seiner heutigen Gestalt von seinen früheren Auflagen. Zu berichten ist heute nicht nur über die Ehe, sondern auch über alternative Lebensformen. Neben den personenrechtlichen Beziehungen spielen immer stärker auch die vermögensrechtlichen Beziehungen der Ehegatten oder Lebenspartner, insbesondere das eheliche Güterrecht, eine Rolle. Auch der Nachfrage nach Information über diesen Bereich wird zunehmend Rechnung getragen.
Ein Werk dieses Umfangs kann nicht vollkommen sein. Es wird immer Verbesserungen geben müssen. Viele Verbesserungen danken wir den Anregungen aus unserem Benutzerkreis. Weitere Verbesserungsvorschläge sind stets willkommen.
Regensburg, im Juli 2007
Dieter Henrich
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