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PStG Handkommentar
Einleitung
Einführung: Entwicklung des Personenstandsrechts
I. Das PStG 1875
1
Dem ersten deutschen Personenstandsgesetz von 18751 war eine lange Zeit kirchlichen Monopols auf dem Gebiet des Personenstandswesens vorausgegangen. Seit dem 16. Jahrhundert war es in Deutschland allgemein Aufgabe der Geistlichen beider Konfessionen gewesen, Tauf‑, Trau- und Totenbücher zu führen. Der Staat hatte sich damit begnügt, den Geistlichen beider Konfessionen die Führung der Kirchenbücher vorzugeben. Das preußische Allgemeine Landrecht von 1794 enthielt dazu detaillierte Regelungen2. Unter dem Einfluss des Code Civil änderte sich dies grundlegend. Die Revolution von 1848 bereitete dem Gedanken einer staatlichen Personenstandsbuchführung den Weg: Im Zuge der Bestrebungen einer Trennung von Kirche und Staat – ausgetragen im sog. Kulturkampf – wurden zunächst in Preußen durch Gesetz vom 9.3.1874 (GS S. 95), danach im gesamten Reichsgebiet durch Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und über die Eheschließung die obligatorische Zivilehe und die Personenstandsbeurkundung durch vom »Staate bestellte Standesbeamte« eingeführt. § 1 des PStG 1875 bestimmte: »Die Beurkundung der Geburten, Heiraten und Sterbefälle erfolgt ausschließlich durch die vom Staate bestellten Standesbeamten mittels Eintragung in die dazu bestimmten Register.«
1
Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und über die Eheschließung vom 6.2.1875 (RGBl. S. 23).
2
Vgl. Schütz, 100 Jahre Standesämter in Deutschland, 1977, S. 1ff.
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