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Das Standesamt
03.04.2000 – OLG Frankfurt am Main
Jahr, Seite 2000, 210
Gericht OLG Frankfurt am Main
Datum 03.04.2000
Aktenzeichen 
Leitsatz 1. Auch Aussiedler-Ehegatten, von denen nur einer die Rechtsstellung eines Deutschen ...
Anmerkungen StAZ 2000, 343
Art. 10 EGBGB, §§ 4, 94 BVFG, § 15 e PStG
1. Auch Aussiedler-Ehegatten, von denen nur einer die Rechtsstellung eines Deutschen i. S. des Art. 116 GG hat, können durch gemeinsame Erklärung gegenüber dem Standesbeamten die deutschsprachige Form ihres Familiennamens wählen.
 
Seite 211
2. Das minderjährige gemeinsame Kind, das eingebürgert worden ist, kann nach § 94 BVFG seinen Vatersnamen ablegen und die deutschsprachige Form seines Vornamens annehmen.
OLG Frankfurt am Main, Beschluss vom 3. April 2000 – 20 W 303/99
Aus den Gründen:
Der Vater der Beteiligten zu 1) ist Spätaussiedler, die Mutter Kasachin. Die Ehe der Eltern hatte beim Verlassen des Aussiedlungsgebietes weniger als drei Jahre gedauert. Die 1994 geborene Beteiligte zu 1) ist zum Zweck der Familienzusammenführung in die Bundesrepublik eingereist. Sie wurde am 1.9.1997 eingebürgert. Am 16.11.1998 haben die Eltern gegenüber der Standesbeamtin erklärt, dass sie die deutschsprachige Form des gemeinsamen Familiennamens annehmen und künftig den Ehenamen »F.« führen. Die Änderung solle sich auf den Geburtsnamen erstrecken, der Ehename geworden sei. Die Änderung des Familiennamens erstrecke sich auch auf die Beteiligte zu 1). Die Eltern wollen für das Kind außerdem die Änderung des Vornamens in die deutschsprachige Form und die Ablegung des Vatersnamens.
Die Beteiligte zu 2) hat als Standesamtsaufsicht vorgetragen, die Beteiligte zu 1) sei nach ihrer Einbürgerung Erklärungsberechtigte i. S. von § 94 BVFG, auch wenn sie kein Abkömmling nach § 7 Abs. 2 BVFG sei. Mit dieser Rechtsansicht stehe sie aber im Widerspruch zu der Auffassung des Fachverbandes der hessischen Standesbeamten, der nur den Abkömmlingen im Sinne des BVFG ein Erklärungsrecht zugestehen wolle.
Die Beteiligte zu 2) hat beantragt, die Standesbeamtin anzuweisen, (1.) für die Beteiligte zu 1) eine Erklärung der Eltern zum Vorund Vatersnamen entgegenzunehmen und (2.) bei der Ausstellung der beantragten Bescheinigung zu berücksichtigen, dass sich die Bestimmung der deutschsprachigen Form des Ehenamens auf die Beteiligte zu 1) erstreckt.
Das Amtsgericht hat entsprechend angewiesen. Das Landgericht hat die sofortige Beschwerde der Beteiligten zu 2) zurückgewiesen.
Die sofortige weitere Beschwerde der Beteiligten zu 2) ist zulässig (§ 49 PStG), insbesondere fristgerecht eingelegt. Sie hat indessen keinen Erfolg.
Die Eltern der Beteiligten zu 1) haben eine gemeinsame Erklärung gemäß § 94 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BVFG über die Annahme der deutschsprachigen Form ihres Familiennamens, der sich aus dem Geburtsnamen des Ehemannes ableitet, abgegeben. Zwar gehörte die Mutter der Beteiligten zu 1) nicht zu dem von § 94 Abs. 1 Satz 1 BVFG ausdrücklich als erklärungsberechtigt benannten Personenkreis, da sie mit ihrer Aufnahme in den Geltungsbereich des Gesetzes nicht Deutsche i. S. von § 116 Abs. 1 GG geworden ist, denn die Ehe der Eltern der Beteiligten zu 1) hatte im Zeitpunkt des Verlassens des Aussiedlungsgebietes noch keine drei Jahre bestanden (§ 4 Abs. 3 Satz 2 BVFG). Gleichwohl ist der Mutter der Beteiligten zu 1) im Rahmen der verfassungskonformen Auslegung des § 94 BVFG und in sinngemäßer Anwendung von Art. 10 Abs. 2 EGBGB eine entsprechende Erklärungsbefugnis zuzubilligen. Ansonsten bliebe dem Vater der Beteiligten zu 1) allein wegen der Ehe mit einer ausländischen Staatsangehörigen die ihm zustehende Möglichkeit versagt, die deutschsprachige Form seines Familiennamens anzunehmen und mit seiner Frau einen einheitlichen Familiennamen zu führen. Dies wäre ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot und mit dem Schutz von Ehe und Familie nicht vereinbar (Art. 3 und 6 GG; OLG Stuttgart, StAZ 1999, 79f.; AG Berlin-Schöneberg, StAZ 1998, 378 und Hepting/Gaaz, PStR, 1996, § 15 e PStG Rdnr. 83).
Da die Beteiligte zu 1) Abkömmling eines Spätaussiedlers und Deutsche ist und sie bei der Namensänderung noch keine fünf Jahre alt war, erstreckt sich die wirksame Änderung des Familiennamens auch auf den Geburtsnamen der Beteiligten zu 1) (§ 94 Abs. 1 Satz 3 BVFG). Zwar enthält § 94 Abs. 1 Satz 3 BVFG nicht die Einschränkung, dass die Abkömmlinge auch Deutsche sein müssen. Jedoch unterliegt der Name einer Person dem Recht des Staates, dem die Person angehört (Art. 10 Abs. 1 EGBGB), sodass die Anwendung deutschen Rechts von der Erlangung des deutschen Namensstatuts abhängt (Hepting/Gaaz a.a.O. § 15 e PStG Rdnr. 86 b).
Zutreffend sind die Vorinstanzen auch davon ausgegangen, dass die Beteiligte zu 1) nach ihrer Einbürgerung auch selbst zum erklärungsberechtigten Personenkreis nach § 94 Abs. 1 Satz 1 BVFG gehört. Auch der Senat vermag nicht zu erkennen, dass § 94 Abs. 1 Satz 1 BVFG auf die Abkömmlinge von Spätaussiedlern beschränkt sein sollte, die vor der Einreise bereits Statusdeutsche waren. Danach kann die Beteiligte zu 1) ihren Vatersnamen (Zwischennamen) ablegen (§ 94 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BVFG) und die deutschsprachige Form ihres Vornamens annehmen. Die Standesbeamtin muss die entsprechenden Erklärungen der Eltern entgegennehmen (§ 15 e BVFG).
(Mitgeteilt von Elisabeth Dittrich, Richterin am OLG, Weimar/Lahn)
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