Urteile zur Adoption von Indianerkindern

USA/South Carolina, Arizona

Der Supreme Court von South Carolina hat Ende Juli ein Urteil der Vorinstanz bestätigt, die entschieden hatte, dass ein zweijähriges Kind seiner Adoptivfamilie entzogen und seinem Vater, der indianischer Abstammung ist (er gehört den Cherokee an), übergeben werden müsse.

Die Adoption war nach dem Recht von South Carolina korrekt verlaufen; in diesem Rahmen hatte der Vater darauf verzichtet, die Adoption anzufechten. Sein auf einer Meinungsänderung beruhendes Vorgehen, das nun zur Revision der Adoption führte, stützte sich auf den bundesrechtlichen Indian Child Welfare Act, der im Konfliktfall dem Recht von South Carolina vorgeht. Das 1978 erlassene Gesetz schreibt aus Gründen des Minderheitenschutzes vor, dass indianische Kinder im Adoptionsfall in ihrer erweiterten Familie untergebracht werden müssen und sieht entsprechende Rechtsmittelmöglichkeiten für die Familie und den Stamm vor. Die Berufung hierauf wurde von Adoptionsverbänden als Missbrauch des Gesetzes kritisiert.

Ende August lehnte der Supreme Court den Antrag der Adoptiveltern ab, die Entscheidung nochmals zu überprüfen.

Ebenfalls im August entschied der Arizona Court of Appeals, dass ein (heute 2 Jahre altes) Navajo-Kind, das in die Obhut einer nichtamerikanischen Indianerfamilie gegeben worden war, nicht aus dieser Familie entfernt werden müsse, um in einem Navajo-Umfeld aufwachsen zu können. Vertreter der Navajo hatten dies in Berufung auf den Indian Child Welfare Act gefordert und argumentiert, dass eine Sozialisierung in der Navajo-Kultur nur in einem entsprechenden Sprachumfeld, in dem Traditionen der Navajo gelebt würden, gelingen könne. Das Gericht bewertete demgegenüber die Integration des Kindes in seine derzeitige Familie, die zugesichert hatte, das Kind mit der Unterstützung von Navajo-Verwandten mit der Navajo-Kultur vertraut zu machen, höher.